Loveless: A Kin of Homecoming TPB 1 (Philos)
Written by Brian Azzarello, pencils by Marcelo Frusin, inks by Marcelo Frusin, colors by Patricia Mulvihill (DC Comics/Vertigo). Deutsch: Keine Veröffentlichung.
SLUGFEST SUNDAY - PHILOS VS LL

Während dem US-amerikanischen Sezessionskrieg Filme wie "Gone with the Wind" oder "North And South" ein Denkmal setzten, bekamm die Folgezeit um den Wiederaufbau einer gespaltenen Nation wenig Aufmerksamkeit. Familien waren auseinander gerissen, Leute in den Westen vertrieben worden, der Norden war hungrig nach Land und die Sklaverei zwar über Nacht formal abgeschafft worden; Bürgerrechte erwirken viele Schwarze aber erst in den 1960ern. Rassismus gab es zu dieser Zeit (noch) nicht, denn das hätte vorausgesetzt, den Anderen als Teil derselben Spezies anzuerkennen.
In dieser häßlichen, wenig liebenswerten Periode (vielleicht daher der Titel?) spielt Vertigos neueste Comicserie Loveless. Hauptfigur Wes Cutter, der den "wahren" Civil War auf der Seite der Verlierer überlebte, kehrt in seine Heimat, ein Ort namens Blackwater, zurück, um sich mit seiner Frau Ruth wieder zu vereinen. Wes ist kein "good guy", im Gegenteil, gleich zu Beginn der Geschichte hagelt er Kugeln in eine Gruppe eifriger Revolverhelden. Wie bereits in 100 Bullets finden sich in Brian Azzarellos jüngstem Werk nur schlechte und noch schlechtere Typen. So erlebt der Leser die Geschichte durch die Augen von Gesetzlosen. Würde der Autor uns auf einen Pferdesattel oder in einen grölenden Saloon mit knarrenden Brettern alter Holzblockhütten versetzen, wäre ich dem Trip nicht abgeneigt.
Irgendwo dazwischen versucht Azzarello Platz für eine Romanze zu schaffen, doch konfus bleibt die Beziehung zwischen dem Protagonisten und seiner Frau. Diese muss als Junge verkleidet in den Wäldern um Blackwater hausen.
Auffällig ist die westernhaft gestylte, bisweilen unehrliche, Sprache. So kann der Leser schon mal ratlos bleiben: "Somethin' in yer eye, Barsom?" "Besides nothin' I don't see every time I shave my face?" Was hier wohl gemeint ist? Oder "Now 'less you don' mind the idea of yer friend here never havin' another one, you will remove your yankee self not jus' from my porch... but my land as well." Bezieht sich das "another one" hier auf die Veranda (porch), was keine besonders gruselige Bedrohung wäre?
Marcelo Frusin bannt den visuellen Terror auf jede Comicseite, wie schon in seinem Hellblazer-Run. Sein Stil ist bedrohlich, düster und ausreichend gereift für die rauhe Western-Welt. Seine
Layouts lesen sich wie Sergio Leone mit offenem Landschaftsbild und vielen Weitwinkelaufnahmen von vier bis fünf Charakteren. Keine unnötigen Panels werden verschwendet oder Splash Pages gezeichnet; nur 32 arrangierte Seiten voll von kaltblütiger Leere, dem Gestank des Verwesten und Fingerkuppen, die auf Revolverholstern und um den Abzug der Colts tanzen. Leider erschweren die Schatten und Silhouetten manchmal das Verständnis des Plots, denn die Charaktere ähneln sich bisweilen sehr. Diese Charakterlosigkeit findet sich auch in der unleidenschaftlichen Darstellung mancher Figuren. Ob diese ihre Emotionen hinter dem Berg halten müssen, weil es ein Western ist, halte ich für eine Prämisse, die zu beweisen wäre. Jedenfalls erschwert die emotionale Flachheit, die Geschichte zu mögen.
Patricia Mulvihill, die Koloristin, verdient gesonderte Beachtung. Besonders die Farben, die sie für Nachthimmel und den Texturen der Kleider und Hüte benutzt, lassen einen den Schleier des Staubs in dieser Welt spüren.
Azzarello verfeinert sein Talent effizient zu schreiben, auf Expositionen zu verzichten, während
der visuelle Teil des Kreativteams Verantwortung dafür trägt, dem Leser beizubringen, wie viele Tage vergangen und welche Tageszeit gerade ist. Erstaunlich und meisterhaft ist die Art wie das Kreativteam Flashbacks erzeugt: An einem Ort werden zurückliegende Erinnerungen mit gegenwärtiger Handlung vermischt, so dass in einem Panel gleichzeitig Bilder der Vergangenheit und der Jetztzeit übereinander liegen.
Das Western-Genre wurde von den Comic-Verlagen 2003 mit Rawhide Kid wiederentdeckt. DC konterte mit ihrem aufpolierten 1970er Helden Jonah Hex und mit Loveless. Die Geschichte kommt zu früh, wie ein Mann, der seine Eier zu lange in der Sonne geschaukelt hat. Das wäre mir nicht passiert.
In dieser häßlichen, wenig liebenswerten Periode (vielleicht daher der Titel?) spielt Vertigos neueste Comicserie Loveless. Hauptfigur Wes Cutter, der den "wahren" Civil War auf der Seite der Verlierer überlebte, kehrt in seine Heimat, ein Ort namens Blackwater, zurück, um sich mit seiner Frau Ruth wieder zu vereinen. Wes ist kein "good guy", im Gegenteil, gleich zu Beginn der Geschichte hagelt er Kugeln in eine Gruppe eifriger Revolverhelden. Wie bereits in 100 Bullets finden sich in Brian Azzarellos jüngstem Werk nur schlechte und noch schlechtere Typen. So erlebt der Leser die Geschichte durch die Augen von Gesetzlosen. Würde der Autor uns auf einen Pferdesattel oder in einen grölenden Saloon mit knarrenden Brettern alter Holzblockhütten versetzen, wäre ich dem Trip nicht abgeneigt.
Irgendwo dazwischen versucht Azzarello Platz für eine Romanze zu schaffen, doch konfus bleibt die Beziehung zwischen dem Protagonisten und seiner Frau. Diese muss als Junge verkleidet in den Wäldern um Blackwater hausen.
Auffällig ist die westernhaft gestylte, bisweilen unehrliche, Sprache. So kann der Leser schon mal ratlos bleiben: "Somethin' in yer eye, Barsom?" "Besides nothin' I don't see every time I shave my face?" Was hier wohl gemeint ist? Oder "Now 'less you don' mind the idea of yer friend here never havin' another one, you will remove your yankee self not jus' from my porch... but my land as well." Bezieht sich das "another one" hier auf die Veranda (porch), was keine besonders gruselige Bedrohung wäre?
Marcelo Frusin bannt den visuellen Terror auf jede Comicseite, wie schon in seinem Hellblazer-Run. Sein Stil ist bedrohlich, düster und ausreichend gereift für die rauhe Western-Welt. Seine

Patricia Mulvihill, die Koloristin, verdient gesonderte Beachtung. Besonders die Farben, die sie für Nachthimmel und den Texturen der Kleider und Hüte benutzt, lassen einen den Schleier des Staubs in dieser Welt spüren.
Azzarello verfeinert sein Talent effizient zu schreiben, auf Expositionen zu verzichten, während

Das Western-Genre wurde von den Comic-Verlagen 2003 mit Rawhide Kid wiederentdeckt. DC konterte mit ihrem aufpolierten 1970er Helden Jonah Hex und mit Loveless. Die Geschichte kommt zu früh, wie ein Mann, der seine Eier zu lange in der Sonne geschaukelt hat. Das wäre mir nicht passiert.
6/10
PhilosLoveless: A Kin of Homecoming TPB 1 (LL).
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